Inhaltliche Auseinandersetzungen

Letzte Woche schrieb Margarete Stokowski auf spiegel online eine Kolumne über den letzten AfD-Parteitag, dem Hohefest der ach so patriotischen Biedermänner und -frauen. Der Text war gewohnt einseitig und kolumnistisch zugespitzt und endete mit einem Hitlervergleich. Letztendlich also an dieser Stelle und von dieser Autorin wenig überraschend, und er wäre kaum bemerkenswert, wenn ich nicht den Fehler gemacht hätte, in die Kommentarspalte unter dem Text zu springen. Auch dort spielte sich der entweder die AfD relativierende oder verdammende Standard-Diskurs ab, der mich aber durch eine immer wieder geäußerten Forderung tatsächlich zum Nachdenken anregte: Aufgrund des Hitlervergleichs wünschte sich eine ganze Anzahl von Kommentatoren, „man solle sich besser mit den Inhalten der AfD auseinandersetzen“, als sie mit solchen Vergleichen zu dämonisieren. Weiterlesen

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Politische Schönheit

In der „Zeit“ dieser Woche ist ein nachdenkliches Dossier über den letzten medienwirksamen politisch-künstlerischen Aufreger durch das „Zentrum für politische Schönheit“ zu lesen (leider aktuell nur über „Zeit plus“ online nachlesbar).

Was ist vor ein paar Tagen passiert: Das „Zentrum für politische Schönheit“  hat sich im Nachbarhaus neben Björn Höckes privatem Wohnsitz über Monate „einquartiert“, im Garten dieses Hauses – und damit in Sichtweite von Höcke – ein „Holocaust“-Mahnmal in Analogie zum Berliner Denkmal errichtet und Höcke über Monate hinweg klandestin überwacht. Ziel der Veranstaltung war offenbar, Höcke zu einem Kniefall vor dem Mahnmal zu bewegen, indem man ihn mit der Veröffentlichung von durch die Überwachung erhaltenen privaten Informationen „erpresst“. Aufhänger dafür war die entsetzliche und widerwärtige Rede Höckes in Dresden über das aus seiner Sicht „Mahnmal der Schande“ in Berlin und seine Forderung nach einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“ im Januar diesen Jahres. Weiterlesen

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Über Opfer

Unsere dauererregte Medienwelt ist aktuell randvoll gefüllt mit einer seltsamen Personengruppe: Den Opfern. Es gibt kaum ein Thema, das sich nicht dafür eignet, sich durch geschickte Positionierung zum Opfer zu ernennen. Jede zwischenmenschliche Interaktion und jedes scheinbare oder reale Machtgefälle kann dazu dienen – selbst zukünftige und hypothetische sind davon nicht ausgeschlossen. Mann/Frau, Ossi/Wessi, Ausländer/Inländer, Nato/Russland, rechts/links, arm/reich, interreligiös – jede soziale Verwerfungslinie erzeugt lautstarke Opfer. Und seltsamerweise stellt man bei näherer Betrachtung des Konflikts oft fest: Alle beteiligten Seiten sind davon überzeugt, das Opfer der jeweiligen Gegenseite zu sein. Weiterlesen

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Für oder gegen Katalonien

In der „Zeit“ dieser Woche ist ein Aufruf zweier Philosophen namens Alexander Garcia Düttmann und Christoph Menke zu lesen, die fordern, sich in Europa für die katalonische Sezessionsbewegung zu entscheiden. Der leider aktuell nicht online verfügbare Text mit dem Titel „Für Katalonien!“ stellt dabei die Behauptung auf, dass „sich gegen die Demokratie“ stelle, „wer die spanische Regierung unterstützt“. Eine wie ich finde steile These, die es zu hinterfragen gilt. Weiterlesen

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Meinungsfreiheit

Der rechte publizistische Rand hat es einmal mehr erfolgreich geschafft, Opfer zu sein. Seine Haus- und Hofverlage Antaios, manufactum und junge Freiheit stellten auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse aus, veranstalteten dort Lesungen und ließen sich durch AfD-Persönlichkeiten wie B. Höcke am Messestand „besuchen“. Und waren vermutlich gottfroh, als sich die stöckchenspringende linke Protestgemeinde endlich herabließ, lautstark „Gegenprotest“ zu veranstalten. Bücher wurden geklaut, Stände verwüstet und Veranstaltungen gesprengt. Soweit leider Alltag an den extremen politischen Rändern der Republik und vermutlich die beste Werbung, die diesen Verlagen mit ihren obskur deutschtümelnden, Intellektualität vortäuschenden Pamphleten der Weltuntergangs-“Literatur“ passieren konnte. Weiterlesen

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Über Verständnis

Ist die Gesellschaft mit sozial abweichendem und egoistischem Verhalten konfrontiert, taucht im Umgang damit oft der Appell auf, man müsse „Verständnis mit dem Handelnden haben“. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz, die im Interview in Bezug auf den Umgang mit Russland unterscheidet, ob man Russland für „aggressiv“ und „imperialistisch“ hält oder ob man feststellt, dass „Russland vielleicht auch Sorgen“ habe bzw. nur versuche, „seine Interessen durchzusetzen“. Staatliche Interessen seien ja „legitim“. Weiterlesen

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Über Identitäten

Auf deutschlandfunk.de wurde in den letzten Tagen ein zunächst nur für kunstinteressierte spannend klingender Essay veröffentlicht, der allerdings in seinem allgemeineren Teil einiges beschreibt, über das sich nachzudenken lohnt.

Worum geht es in den Text?

Aufhänger ist ein sehr feuilletonistischer Anlass aus der Welt der Museen und Ausstellungen. Eine amerikanische, offenbar weiße Künstlerin nutzte als Vorlage für ein Gemälde ein schwarz-weißes Photo, das das grausam entstellte Gesicht eines vor Jahrzehnten durch Weiße in den USA umgebrachten schwarzen Jugendlichen zeigt. Dieses Gemälde wurde in New York von einem bekannten Museum ausgestellt, das sich anschließend mit einem offenen Brief einer schwarzen Künstlerin konfrontiert sah, die ein Abhängen und Vernichten des Bildes forderte, da eine weiße Künstlerin mit der Nutzung des „schwarzen Leids“ für ihre Kunst ein weiteres Mal Gewalt und Ausbeutung gegen Schwarze ausüben würde. Weiterlesen

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