Über Identitäten

Auf deutschlandfunk.de wurde in den letzten Tagen ein zunächst nur für kunstinteressierte spannend klingender Essay veröffentlicht, der allerdings in seinem allgemeineren Teil einiges beschreibt, über das sich nachzudenken lohnt.

Worum geht es in den Text?

Aufhänger ist ein sehr feuilletonistischer Anlass aus der Welt der Museen und Ausstellungen. Eine amerikanische, offenbar weiße Künstlerin nutzte als Vorlage für ein Gemälde ein schwarz-weißes Photo, das das grausam entstellte Gesicht eines vor Jahrzehnten durch Weiße in den USA umgebrachten schwarzen Jugendlichen zeigt. Dieses Gemälde wurde in New York von einem bekannten Museum ausgestellt, das sich anschließend mit einem offenen Brief einer schwarzen Künstlerin konfrontiert sah, die ein Abhängen und Vernichten des Bildes forderte, da eine weiße Künstlerin mit der Nutzung des „schwarzen Leids“ für ihre Kunst ein weiteres Mal Gewalt und Ausbeutung gegen Schwarze ausüben würde. Weiterlesen

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Wirtschaftsjournalismus

Wirtschaftliche Entwicklungen sind journalistisch betrachtet dröge Themen. Sie sind häufig nur abstrakt über Kennzahlen beschreibbar, ihre Wirkung auf beliebige Einzelpersonen ist eher mittelbar – sprich: Sie sind für den Leser imgrunde so interessant wie die vielen austauschbaren Mittelmanager in ihren grauen Boss-Anzügen in den Business Lounges beliebiger Flughäfen weltweit. Nämlich gar nicht – außer vielleicht für eben diese Mittelmanager.

Im offensichtlichen Gegensatz dazu steht die Breite der Berichterstattung darüber in den Medien, was interessanterweise ein Phänomen ist, das sich durch alle Gesellschaftsmodelle zieht. Nicht nur der Kapitalismus, dem man sicherlich ein besonderes, fast schon religiöses Interesse am wirtschaftlichen Erfolg unterstellen kann, sondern auch der Sozialismus lieferte immer wieder „Heldengeschichten“ aus der Wirtschaft – ersterer über die Beschreibung besonders hoher Gewinne, zweiterer über das Äquivalent dazu: Dem Bericht einer besonders hohen Planübererfüllung.

Es bleibt aber in jedem Fall für den Journalismus ein Problem bestehen: Wie zum Teufel kann man eine schnöde Kennzahlenentwicklung attraktiv beschreiben, die nahezu keine unmittelbare Relevanz für das Leben des Lesers hat? Weiterlesen

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Frieden? Frieden!

Wer in die aktuelle Presse schaut, reibt sich verwundert die Augen: Wo kommen eigentlich die ganzen kleinen Männer her (ja, als Mann muss ich konstatieren: es sind vor allem Männer), die derzeit die transnationale Politik beherrschen? Die wie trotzige Dreijährige wild mit den Füßen aufstampfend an vielen Ecken der Welt und leider auch in Europa ihr instabiles Selbstbewusstsein mit markigen Sprüchen und harten Entscheidungen zu kaschieren versuchen? Und wieso erhalten sie soviel öffentlichen Platz für ihr albernes Verhalten, anstatt dass man sie schlicht auslacht und ignoriert bzw. abwählt? Weiterlesen

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Liberalität in Zeiten des Erstarkens der Neuen Rechten

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Mittlerweile sollte dem letzten unter uns aufgefallen sein, dass wir in interessanten Zeiten leben. In der sogenannten „westlichen Welt“ bisher sicher geglaubte Selbstverständlichkeiten werden immer häufiger in Frage gestellt. Und zwar nicht mehr nur von denjenigen, denen die Freiheit und der Erfolg des westlichen Systems schon immer ein Dorn im Auge war, also von den Potentaten und Kleptokraten, von den Diktatoren und Gewaltherrschern, die ihre eigene Fratze im Spiegel der freien westlichen Welt nicht sehen wollen und deshalb alles dafür täten, diesen Spiegel zu zerstören. Weiterlesen

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Und wieder Silvester in Köln

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Der Silvesterabend in Köln gab auch am Jahreswechsel von 2016 zu 2017 wieder Anlass für Diskussionen in Deutschland. Was ist geschehen: Die Kölner Polizei – diesmal nach steiler Lernkurve aus dem letzten Jahr in Hundertschaften für die vielleicht drohenden Herausforderungen angetreten – „kesselte“ junge, nordafrikanisch aussehende Männer ein, sprach reihenweise gegenüber dieser Gruppe Platzverweise aus, nahm den einen oder anderen fest – und feierte dieses „robuste“ Vorgehen in einem Tweet mit Bild und der Aussage: „Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft.Weiterlesen

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Die Abgehängten

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Nach dem Schock über die diesjährigen Wahlergebnisse der AfD in Ostdeutschland, aber vor allem nach der Wahl Trumps in den USA zieht sich ein Begriff durch viele Texte, die sich mit der neuen Attraktivität des modernen Rechtspopulismus beschäftigen: Der des „Abgehängten“. Er sei ländlich tumb und habe Angst vor Globalisierung und vor Machtverlust – sei es an Minderheiten oder, so er ein Mann ist, an die Frau. Prekär und unsicher beschäftigt kämpfe er um das Auskommen von sich und seiner Familie, ständig von Entlassung bedroht und in scharfer Konkurrenz zur aus dem Ausland hereindrängenden neuen Unterschicht. Weiterlesen

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Über das kämpfen

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In der NZZ war in den letzten Tagen ein Essay zu lesen, der die Frage stellte: „Zur Hölle, wer sind denn diese Anderen?“ Er reiht sich damit ein in die in meinem letzten Beitrag beschriebenen medialen „Verwunderungs“-Texte nach der Trumpwahl. Sein Fazit: Wir brauchen eine „neue“ Debattenkultur.

Wie aber begründet der Autor dies und was stellt er sich darunter vor?
Zunächst stellt er die von mir bereits kritisierte Behauptung in den Raum, man hätte nun „[d]as Gefühl, plötzlich mit einer Wirklichkeit konfrontiert zu werden, die man nicht wahrgenommen hat oder nicht wahrnehmen wollte“. Nicht beschreibt er allerdings, was für ihn das Neue an dieser Wirklichkeit ist. Wir alle sind doch nicht davon überrascht, dass rechte Populisten derzeit Unterstützer finden und Erfolge feiern. Wer dies wäre, hat doch offenbar in den letzten Jahren weder nach Frankreich oder nach Österreich, nicht nach Ungarn oder Polen geschaut. Weiterlesen

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