Liberalität in Zeiten des Erstarkens der Neuen Rechten

In Deutschland gab es in diesem Zusammenhang eine andere, bemerkenswerte Diskussion in der Öffentlichkeit. Ein Angestellter einer Werbeagentur hatte in Deutschland zum Boykott von neurechten oder vom Ausland gesteuerten Medien durch die Werbetreibenden aufgerufen. Namentlich genannt waren nicht nur die offenbar Europa als Markt entdeckende Plattform von Bannon – Breitbart – sondern auch Meinungsmacher wie Roland Tichy und sein Angebot „Tichys Einblick“. Dass der „Hieb“ saß, war an der nervösen Reaktion gerade von letzterem zu spüren, dem es im seligen Einklang mit Seiten wie der „Achse des Guten“ gelang, soviel Gegendruck aufzubauen, dass der Angestellte die Werbeagentur verlassen musste.

Ein wenig verwundert einen die eher ablehnende Reaktion gerade auch der liberalen Medienöffentlichkeit auf den sicher übertrieben emotional formulierten Aufruf, der aber zumindest inhaltlich nachdenkenswert ist. Denn es ist natürlich das Recht eines Werbetreibenden, zu entscheiden, welche Medien man mit seinem Werbebudget stützt. Kein konservativer Unternehmer ist gezwungen, die taz mit geschalteten Annoncen zu finanzieren. Kein linker Unternehmer ist gezwungen, in der Bild Werbung zu schalten. Also ist es allemal richtig und wichtig, Unternehmer darauf aufmerksam zu machen, dass sie – bei den heutigen technischen Möglichkeiten vielleicht ohne es zu wissen – Seiten unterstützen, deren Ziele ggf. gegen die eigenen Einstellungen und Werte gerichtet sind.

Selbstverständlich darf man sich einer Werbungsschaltung auf Seiten wie RTD, Breitbart, Tichys Einblick, in der Jungen Freiheit oder im Compact Magazin verweigern, wenn einem das Programm und der Nutzerkreis dieser Seiten zuwider ist. Darüber hinaus ist es nicht die Pflicht eines einzelnen Unternehmers, die Meinungsfreiheit in Deutschland sicherzustellen, genausowenig wie diese durch ein Versagen eines Werbebudgets gefährdet ist. Aus allen diesen Gründen kann ich die Aufgeregtheit aufgrund des Aufrufs und die grundsätzlich ablehnende Reaktion auch liberaler Kreise absolut nicht nachvollziehen.

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