Gestern hier vor Ort

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Sie radikalisieren sich. Dreizehn werden beschuldigt, sich polnische Sylvesterböller in größeren Mengen besorgt zu haben. Böller mit einer Sprengkraft, die fast schon regelmäßig im deutsch-polnischen Grenzland zu schweren Verletzungen führen. Außerdem fand man eine funktionsfähige Waffe inkl. Munition bei ihnen.

Das alles hier. In dieser kleinen, zutiefst katholischen Stadt.

Ja, sie waren bekannt. In den letzten Monaten begann man, von ihnen zu hören. Man las von einem Überfall auf ein studentisches Lokal in der Innenstadt, das sie aufgrund eines dort stattfindenden Festivals gegen Rechtsextremismus belagerten. Sie kamen zu siebt. Sie wollten die Teilnehmer des Festivals photographieren. Und sicher auch einschüchtern.

Man hörte wieder von ihnen, als sie weitgehend grundlos auf Menschen einprügelten. Hier, direkt in der Innenstadt, kaum zwei hundert Meter von meinem Fenster entfernt.

Sie gründeten im März einen Ableger der Partei „Die Rechte“. Der notorische Rechtsextreme P. Hasselbach aus München war bei der Gründung zu gegen. Unter diesem Deckmantel versuchen sie, am 31.10.15 eine Demonstration gegen Asylmissbrauch zu organisieren. Mit einem Marsch bis zum mittlerweile mit 500 Personen belegten „Balkanabschiebezentrum“ hier vor Ort.
Auch dieses Balkanzentrum haben sie schon „besucht“. Der Sicherheitsdienst fing sie ab. Er wurde dabei beleidigt und bedroht. Ob die „Böller“ für den nächsten Besuch eingeplant waren, wird gerade geklärt.

Sie sind verdrahtet. Nicht nur über die Partei „Die Rechte“.
Einer der federführenden organisiert die Nürnberger Hooliganszene. Sie nennt sich „Frankenfront“. Sie hat auf Facebook einen martialischen Adler im Logo, der an die Ästhetik des Reichsparteitagsgeländes erinnert. Und sie ist bekannt für ihre Gewaltausbrüche.
Ein anderer Verdächtiger stammt von der Nürnberger Pegida. So schließen sich die Kreise.

Natürlich sind sie nicht der NSU 2.0. Dafür sind sie nicht weit genug gegangen. Noch nicht. Denn auch der NSU fing so an. Mit politischen Demonstrationen. Mit Sprengstoff in einer Garage. Mit Waffen. Und irgendwann tauchten sie ab. Sie konnten sich auf ihre vielen Unterstützer verlassen.

Das Klima wird merklich rauer. Sich zurückzulehnen und mit den Schultern zu zucken gelingt immer schlechter. Sie sind mitten unter uns. Sie hetzen nicht mehr nur auf Facebook. Sie bewaffnen sich. Mir wird schlecht.

Bildquelle: Berthold Werner – gemeinfrei

erstveröffentlicht auf jetzt.de am 22.10.15

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