Ein Freund der Meinungsfreiheit

In der Zeit ist derzeit ein längerer Essay veröffentlicht, der sich – sicherlich von den Diskussionen der letzten Monate über den Begriff „cancel culture“ und seinen Hintergründen angeregt – aus einer gewiss eher liberalen Sicht mit der Meinungsfreiheit und ihren Grenzen auseinandersetzt.

Auslöser sind die im Text beschriebenen offenen Briefe der letzten Monate gegen eine als „cancel culture“ verstandene Form der kritischen Auseinandersetzung mit v.a. konservativen Meinungsäußerungen in den USA und Deutschland, deren Publizierung der Autor Jan Freyn unterstützt bzw. die er nach eigener Aussage zum Teil selbst unterzeichnet hat. Mit seinem Text versucht er offenbar zu begründen, warum die im linken politischen Spektrum eher als Besitzstandswahrung einer Meinungsführerschaft etablierter Autoren verstandenen Veröffentlichungen, die gleichzeitig als Versuch einer Immunisierung gegenüber einer kritischen Auseinandersetzung mit den zum Teil sehr „konservativen“ Meinungsäußerungen einzelner Unterzeichner gewertet wurden, berechtigt und richtig waren.

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Cultural appropriation

Heute bin ich über ein etwas älteres Video gestolpert, das sich auf eine erfrischende Art und Weise recht entspannt mit dem identitätspolitischen Kampfbegriff der kulturellen Aneignung beschäftigt. Der Youtuber T1J unterscheidet in meinen Augen sehr sinnvoll und mit vielen popkulturellen Beispielen zwischen

  • cultural exchange‘ als der gegenseitige Austausch zwischen Kulturen auf Augenhöhe
  • cultural appropriation‘ als die Aneignung kultureller Eigenarten einer Kultur durch eine dominante Kultur i.d.R. ohne Zustimmung der betroffenen Kultur und oft mit wirtschaftlichem Interesse
  • cultural assimilation‘ als die Aneignung kultureller Eigenarten einer dominanten Kultur durch eine andere Kultur, um sich an die dominante Kultur anzupassen und sich ggf. dadurch zu „schützen“.
  • cultural appreciation‘ als die wertschätzende Aneignung kultureller Eigenarten einer Kultur durch eine dominante Kultur i.d.R. mit Zustimmung der betroffenen Kultur und mit fairem Interessenausgleich dabei. Weiterlesen
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Sag mir, wo du stehst

Vor einigen Tagen wurde auf deutschlandfunk.de ein ‚feature‘ von Alexa Hennig veröffentlicht, das sich mit dem scheinbaren oder realen Abdriften einiger bekannter Bürgerrechtler der DDR an den rechten Rand beschäftigt. Beleuchtet werden die Lebensverläufe von Siegmar Faust, Michael Beleites und Antje Hermenau. Einordnend wurden darüber hinaus Lutz Rathenow und Hans-Joachim Maaz interviewt.

In meinem Text will ich dabei gar nicht so sehr auf die einzelnen Personen eingehen. Zu manch einem könnte man ganz eigene Text schreiben (z.B. zu Beleites ökologischer Utopie für 2030. Ganz abgesehen vom gruseligen Duktus frägt man sich, wo eigentlich in diesem „Zielzustand“ die vielen unwilligen Platz haben, die keine Lust haben, kleinteilig Selbstversorger zu spielen. Wo bleiben die Intellektuellen und Künstler, die Kopfarbeiter? Wo die ehemaligen Gastarbeiter, die Flüchtlinge und Migranten der letzten Jahre und Jahrzehnte? Man ahnt irgendwie schlimmes, egal ob man dieses Sachsen im Jahre 2030 als spießig-dörfliche Linkskommune oder als ebenso spießig-miefige nationalbefreite Rechtskommune versteht – anschlussfähig wäre sie meiner Meinung nach jedenfalls in beide Richtungen). Weiterlesen

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Ein Text

Nun weiß ich nicht, was mich am meisten ärgert: Der alles auslösende Text in seiner intellektuellen und sprachlichen Schlichtheit? Die trollige Autorin in ihrer erkennbaren Suche nach destruktiver Bestätigung? Die linke Zeitung, die einen solchen Text veröffentlicht? Der sogenannte Gewerkschaftler der Polizei in seiner künstlichen Aufgeregtheit? Der Innenminister mit seiner grundrechtsgefährdenden politischen Instrumentalisierung? Der Corpsgeist der Journalisten, die der Autorin solidarisch und wenig selbstkritisch beispringen? Der zumindest implizite Vorwurf der Dummheit oder Bösartigkeit der Leser durch die Verteidiger des Textes in den großen Medien? Oder doch eigentlich die Wirkung dieses Textes, der die wichtigeren Skandale der letzten Wochen in den Hintergrund rückt, die Amthor-Affäre, die Diskussionen über gewalttätige oder extremistische Strukturen in Polizei und Bundeswehr, über Alltagsrassismus, über Rechtsblindheit in der Exekutive und Judikative etc. Weiterlesen

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Mein Rassismus

Seit mehreren Tagen versuche ich, mein Entsetzen und meine Abscheu über das Geschehen in den USA in Worte zu fassen. Der Handymitschnitt über die erschreckend beiläufige Tötung (Ermordung?) von George Floyd durch Polizisten, über acht lange, entsetzliche Minuten – ich konnte ihn nicht zu Ende ansehen, es geht nicht. Die brennenden Straßen danach, die Plünderungen und Zerstörungen. Die unglaubliche Härte der Polizei gegenüber unbewaffneten Demonstranten und der (inter-)nationalen Presse. Dystopische, protofaschistisch anmutende Inszenierungen von staatlicher Macht durch schwerst gerüstete, gewaltbereite uniformierte Mobs, maskiert und damit anonymisiert. Bilder von undurchsichtigen Provokateuren aller Couleur. Schwarz, weiß, links, rechts, autoritär, anarchistisch, staatsnah oder staatsverachtend. Und das Wissen, dass dies alles in einer Nation passiert, bei der Teile der Bevölkerung bis an die Zähne bewaffnet sind mit Gerät, das hier bei uns unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fällt. Weiterlesen

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Fragilität

Man kann das Thema Covid19 kaum mehr ertragen, ist es doch inhaltlich mittlerweile komplett „ausgelutscht“. Es ist weitgehend alles relevante gesagt und geschrieben worden, selbst die Statistiken mit all ihren x-fach diskutierten methodischen Schwächen besitzen keinen Neuigkeitswert mehr. Man verspürt zunehmend eine intellektuelle Lähmung bei der hohldrehenden medialen und gesellschaftlichen Monothematik. Aber eines ist doch faszinierend: Bei einer lautstarken Minderheit eine Reaktion zu beobachten, die Sascha Lobo zurecht und sehr verständnisvoll „Meltdown“ nennt. Ja, man merkt: So mancher Zeitgenosse ist nicht nur dem Zusammenbruch nahe, nein, er ist bereits zusammengebrochen. Weiterlesen

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Libertinität und Autoritarismus und das Fehlen des liberalen Gemeinschaftssinns

Erhebt man sich über die allgemeinen Panikreaktionen und die zweifelhafte Zahlenwelt der Coronapandemie, erkennt man in der Gesellschaft zwei allgemeine Argumentationslinien, die miteinander ringen.

Die eine Seite der Gesellschaft ruft nach „starken“ Antworten und hartem Vorgehen und bewundert das konsequente Handeln in Staaten wie Singapur oder China. Sie unterstützt Eingriffe von Staatsseite in persönliche Freiheiten, sie will weitergehende Ausgehverbote und fordert eine stärkere Überwachung des Einzelnen inkl. aus ihrer Sicht notwendiger Maßregelungen bei Fehlverhalten. Ihr zugeneigt dürften diejenigen sein, die sich offenbar momentan aus einer gewissen Blockwartsmentalität berufen fühlen, die Durchsetzung der aktuell geltenden Regeln auch durch Anzeigen und Meldungen bei den Ordnungsbehörden sicherzustellen.

Die andere Seite der Gesellschaft befällt gerade bei der Beobachtung der Maßnahmen in den genannten Staaten ein leichtes bis mittelschweres Gruseln, sie frägt sich, wie weit eigentlich noch die Preisgabe der gesellschaftlichen Freiheiten gehen soll, sie trägt Sorge, dass autoritäre Kräfte die Situation nutzen könnten, um gesellschaftliche Rechte nachhaltig auszuhebeln. Und sie wundert sich, ob die jetzt aufgegebenen Freiheiten jemals wieder zurückgewonnen werden können. Weiterlesen

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Kennzahlen und Statistiken

Für Fans der Welterklärung mit Hilfe von Kennzahlen ist die aktuelle Situation ein (Alp-)Traum. Fast zwangsläufig schaut man täglich morgens, mittags und abends auf die diversen Listen, Diagramme, Zahlenvergleiche und Farbkarten, die die Ausbreitung des Coronaviruses COVID-19 über die Welt oder das eigene Land zeigen. Meine Suchtmittel sind die Statistik des „Centers for Systems Science and Engineering (CSSE)“ der Johns Hopkins University für die weltweite Übersicht und der Tagesspiegel für die regionale Sicht auf die Situation. Und ja, ich mag interaktive Kartendarstellungen, Graphen und Listen. Weiterlesen

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Klopapier – oder die Abwesenheit davon

Nun gibt es für halbwegs resiliente Menschen drei wunderbar zu beobachtende Fakten in diesen interessanten Zeiten. Da ich mich mittlerweile anfange zu langweilen – nicht, dass „social distancing“ für mich ein Problem wäre, mich macht die alles beherrschende Monothematik aktuell intellektuell fertig – möchte ich allen dreien einen Text widmen.

Was sind diese drei Themen:

  1. Der Klopapierengpass, s. Titel
  2. Der Kennzahlenwahnsinn
  3. Die Ursache-Wirkungsbeziehung zwischen libertär und autoritär und die Abwesenheit von Liberalität

Beginnen wir mit der „einfachsten“ Frage: Wieso sind die Regale mit Klopapier seit Wochen leer? Nun bin ich kein Psychologe oder Soziologe, ich möchte das also nicht aus der sozialen „Ecke“ heraus beantworten. Nein, ich habe mich einen Großteil meines Berufslebens mit Lieferkettengestaltung und Logistik beschäftigt, ich habe Engpassmanagment „geatmet“, aus diesem Grund glaube ich, einen Beitrag für eine Antwort leisten zu können. Weiterlesen

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Auf der Suche nach der Mitte

Margarete Stokowski begibt sich diese Woche in ihrer Kolumne auf Spiegel online auf die Suche nach der Mitte. Oder vielmehr erläutert sie, warum die „Mitte“ in der politischen Landschaft aus ihrer Sicht eine Schimäre ist, zu der zwar fast jeder gehören will, die aber nicht wirklich existiert. Sie leitet dies aus der natürlich recht willkürlichen Entstehung der politischen Neigungen „links“ und „rechts“ aus dem ersten französischen Parlament her und hält es für einen naiven Glauben, es gäbe dazwischen einen irgendwie gearteten Graubereich halblinks/halbrechts, der eine Mitte bilden könnte.

Wie es sich für linke gehört, lehnt sie die Hufeisentheorie, also die Theorie des gleichermaßen und auch vergleichbaren Schrecklichen an den extremen Rändern ab. Sie beschreibt weiterhin zurecht, dass die soziologische „Mitte“ keinesfalls vor extremistischem und radikalem Gedankengut gefeit ist. Zuletzt definiert sie die Liberalen über Marcuse als rein wirtschaftsorientiert und am Erhalt von Privateigentum interessiert und erklärt sie damit durchaus als ansteckbar in Bezug auf autoritäre Neigungen. Und ihr Fazit ist, dass die gerade auch wegen der Situation in Thüringen gerne beschworene „Mitte“, die sich aus Konservativen und Liberalen bildet, eben auch das enthält, was aus Sicht einer liberalen Demokratie zu bekämpfen ist: Reaktionäre, autoritäre und extremistische Positionen. Weiterlesen

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